-cycling. one day when we first went walking we heard the sound of a drill and a bag was blowing along the ground


für Stimme und Dinge

Januar 1990

Texte von Christian Kesten, Kim Kutner, Lao-tse und Peace Memorial Museum Hiroshima

UA HdK Berlin Dachboden Turm West 1990; weitere Aufführungen: Ateliers im Alten Schlachthof Sigmaringen (Symposion "Musik und Bildende Kunst") 1990; Festival "moments musicaux" Aarau/CH 2000; Alte Feuerwache Friedrichshain 2001; Diapason Sound Art Gallery New York 2007; Villa Aurora Los Angeles 2007.

-cycling. ist eine Arbeit, die Kesten für sich selbst schrieb, die autobiographisch geprägt ist und seine Reise durch Japan 1988 reflektiert. Dennoch extrahierte er aus der Performance eine Partitur, die es jedem anderen Performer ermöglicht, diese Arbeit auf eigene Weise, auf dem Hintergrund einer eigenen Reise zu interpretieren. Im April 2008 wurde mit Antje Vowinckels Ausarbeitung erstmals die Partitur von jemand anderem realisiert. Vowinckels Fassung basiert auf ihrem dreimonatigen Aufenthalt in Los Angeles.

"Dreißig Speichen umringen die Nabe/ wo nichts ist / liegt der Nutzen des Rads." (Laotse, Taoteking) Eine Plastiktüte im Zusammenspiel mit einer Papiertüte – der Klang dieser Dinge in die Stille gesetzt. Dies ist zuallererst Musik, die Instrumente sind Tüten später Fotos und die sprechende Stimme. Die aus den Behältnissen – Hosentaschen, Rucksack, Koffer – auftauchenden Tüten in den leeren Raum gesetzt, formen ein Bild, ein sich ständig verwandelndes Objekt; mit jeder neuen Tüte verändert sich die Konstellation, das Kräfteverhältnis zwischen ihnen. Der Entstehungsprozess des Bildes als bewusst ausgeführte Aktion, mit Unterbrechungen in der Bewegung, eingeschobenen Gesten, ist eine Form von Theater, eine Form von Tanz. Als literarische Ebene liegen darüber Geschichten, "true stories".
Die Performance hat folgende Struktur: der erste Teil ist halb so lang wie der zweite, der zweite Teil ist halb so lang wie der dritte, der vierte Teil ist halb so lang wie der erste. –cycling. ist minimale Musik: das sich wiederholende Motiv der Tüte, später das in regelmäßigem Rhythmus gesprochene "yes", jeweils mit dem Herabfallen eines Fotos, während der performer das Tütenfeld umkreist – über 350 Fotos, das bedeutet über 350mal "yes" – repetitive Musik.


"Von Erinnerungshüllen und dem Kreisen der Gedanken. Performance ‚-cycling‘ des Berliners Christian Kesten im ‚Alten Schlachthof‘
… ausführlich und in Ruhe wurden durch die Handlung wenige, aber eindrückliche Bilder erzeugt, Bilder die sich in Variationen wiederholten, immer wieder innerlich und äußerlich um einen bestimmten Inhalt kreisten (cycling). … Wie Erinnerungsfetzen landen, einst mit Leben und Gegenwart gefüllt, dutzende leere Plastik- und Papierhäute auf dem grauen Beton. … mit jedem »yes« blättern Erinnerungsphotos im Atemrhythmus zu Boden, entgleiten dem festen Erinnerungsstapel. Endlos schweben die Blätter abwärts … Die Texte wirken wie kleine surreale Bilder des Alltags …"

SIGMARINGER ZEITUNG, 20.OKTOBER 1990
top