Who Am I


Oper für fünf Stimmen. Installation

2022

5 Video-Screens, 5-Kanal-Ton, 40' / Loop



Christian Kesten Komposition/Raum | Carsten Heitsink, Anke Ristentisch, Kai Schnittersen, Catherine Skinst, Hans Stincketier Stimmen | Kassian Troyer Klangregie & Mastering | Adam Asnan Tonaufnahme | Susanne Elgeti Video | Maya Giger Maske | Dorothee Scheiffarth Kostüm | Henrik Adler Dramaturgie | Bert Günther Technik | Martin Wolff Videoassistenz | Vilém Wagner Produktion

MaerzMusik Berlin – Festival für Zeitfragen
18.–25. März 2022 | Gropiusbau


Die Komposition wurde ermöglicht durch ein Arbeitsstipendium Neue Musik der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
Das Projekt wurde gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.
In Kooperation mit MaerzMusik – Festival für Zeitfragen.

"extrem inspirierend" J.H.

"eine Polyphonie des Atems, eine Art 'weißes Rauschen', mit einem breiten Spektrum an Klangnuancen, gleichzeitig statisch und berauschend." Corriere Musicale

"Ich wollte Dir nur sagen, wie sehr ich es genossen habe, Dein Stück heute im Gropiusbau zu sehen und zu hören. Wie ich einem Freund sagte, war es sowohl mehr als auch weniger, als ich erwartet hatte; etwas, das mich mit Fragen zurücklässt (wie der Titel), die ich nicht das Gefühl habe, irgendwie beantworten zu müssen (ich glaube, es gibt auf Deutsch oder Japanisch oder so ein einziges Wort dafür). Es ist ein wunderschönes Werk, das es irgendwie schafft, völlig direkt zu sein und gleichzeitig völlig geheimnisvoll zu bleiben." J.K.


Atmen

Einatmen, Ausatmen – Atmen. Es verbindet uns mit der Umwelt, und kein Ich sagt „Ich“, ohne geatmet zu haben. Das Atmen in seiner Fragilität und Kraft ist zur Signatur der pandemischen Gegenwart geworden. Als das essentielle Medium, in dem Stimme entsteht, wird es hingegen selten Material von Musik.

Weißes Rauschen für Stimme

Der Komponist Christian Kesten erforscht die klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten des Atmens. Auf seiner Suche nach der klanglichen Essenz dieses musikalischen Materials entwickelte er die Vokaltechnik des „Atemplateaus“: durch einen lang ausgehaltenen Atemstrom und gleiche Mundstellung beim Ein- wie Ausatmen entsteht ein statischer Rauschklang. Diese „Atemflächen“, durch Mundstellung unterschiedlich gefiltert, werden zu „weißem Rauschen“ mit einem großen Spektrum an Farbnuancen. Die Stimme wird instrumental wahrgenommen. Durch Mehrstimmigkeit und Überlagerung der Atemflächen entsteht ein komplexer Klangraum mit einer Vielzahl an psychoakustischen Effekten.

Klangraum

In WHO AM I wird dieser Klangraum zu einem Spielfeld der Begegnung von und mit fünf Figuren, die auf Screens im Rund angeordnet sind. Als Zuhörende / Zuschauende treten wir in ein Feld stehender Klänge, die sich zu wechselnden Konstellationen formen, sich übereinanderschichten, kontrastieren, ergänzen oder antworten.

Durch die verschiedenen, mitunter extremen Mundstellungen entstehen Gesichtsausdrücke, die unterschiedlichste Assoziationen zu Affektzuständen zulassen – ein irritierender Kontrast zum statischen Klang.

Personen

WHO AM I ist eine Opern-Installation über ein Ensemble von fünf Personen auf der Suche nach ihren Geschichten. Sie stellt die Frage musikalischer Ausdrucksästhetik neu: Was macht das Zusammenspiel aus Mimik und Klang in unseren Köpfen? Wie verändert sich die Wahrnehmung des gleichen Klangs aus verschiedenen Gesichtern, Rollen, Figuren? Das Atmen erscheint als körperlicher Vorgang und Bedingung des Person-Werdens. Per-son ist, was hindurch-klingt – durch die Maske des Gesichts.

Henrik Adler

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